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29. September 2026

Business am Limit: Wie Führung unter Druck gelingt

Beim bereits siebten Businessevent der ZRH Community in diesem Jahr zeigten vier Gäste aus Extremsport und Business, wie sich Höchstleistung im Geschäftsalltag gesünder und nachhaltiger steuern lässt.

Wie bleiben Mensch und Unternehmen handlungsfähig, wenn Druck und Unwägbarkeiten das Äusserste abverlangen? Der Businessevent im mit über 130 Gästen ausgebuchten memox-Saal bei Novu Campus im Circle widmete sich der Frage nach gesunder Leistung nahe am Limit im Unternehmensalltag. Neben der gewohnten Kooperation der ZRH Community, der alle Mitarbeitenden in Unternehmen im Circle und am Flughafen Zürich angehören, mit dem Wirtschaftsnetzwerk FRZ Flughafenregion Zürich, war bereits zum wiederholten Mal auch das grösste Schweizer HR-Fachmagazin HR Today als Kooperationspartner dabei.

Disziplin entsteht aus echter Leidenschaft

In seiner eindrücklichen Keynote zeichnete der schweizerisch-ecuadorianische Extrembergsteiger Karl Egloff seinen Weg zu Geschwindigkeits-Weltrekorden an den höchsten Gipfeln jedes Kontinents nach – den sogenannten «7 Summits». Dabei gab er auch ehrliche Einblicke in persönliche und sportliche Rückschläge.

Der Schlüssel zu dauerhafter Spitzenleistung im Beruf wie im Sport liege für ihn keineswegs in kühlem Kalkül, sondern in der täglichen Begeisterung: «Leidenschaft ist das, was es braucht. Die Leidenschaft, jeden Morgen aufzustehen und wieder das Gleiche zu tun. Ich will besser werden, ich will höher hinaus, ich will schneller sein.»

Gleichzeitig betonte Egloff, dass Spitzenleistung ohne Vorbereitung und ein starkes Team fahrlässig sei. Um sich in Extremsituationen Handlungsspielraum zu erhalten, müsse man die eigene Komfortzone systematisch und kontinuierlich erweitern, anstatt sie unüberlegt zu verlassen. «Wir müssen unsere Komfortzone so gross machen, dass die Extreme darin Platz finden», so Egloff dazu. «Ich bin meistens im Training am Limit, bevor ich zu einer Expedition aufbreche und nicht während der Expedition selbst. Übertragen auf die Realität von Leitungspersonen bedeutet das: Man bereitet sich so gut vor, dass man selbst herausfordernde Situation bewältigen kann, ohne an oder über das Limit zu gehen.»

Dauerhaftes Limit macht unproduktiv

Dass dieses Prinzip im Geschäftsleben teilweise immer noch falsch verstanden wird, wurde in der anschliessenden Podiumsdiskussion deutlich. Daniel Landert, Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega und Leiter der Jet-Einsätze, setzte eine klare Gegenthese zum permanenten Höchstleistungsdruck am Arbeitsplatz: «Permanent am Limit zu leisten, ist ungesund und unproduktiv. Wir müssen nicht ein Limit nach dem anderen jagen. Denn wenn man erst einmal am Limit ist, verengen sich fast automatisch die Handlungsspielräume. Was wir brauchen, ist jederzeit einen möglichst vollständigen Überblick über die Situation.» Für Führungskräfte sieht Landert die Hauptaufgabe deshalb darin, rechtzeitig Gegensteuer zu geben und Sicherheit im betrieblichen Alltag aufzubauen.

Moderator Lukas Herzog, verantwortlich für die Businessevents der ZRH Community, stellte daran anschliessend allen Podiums-Teilnehmenden die Schlussfrage, was denn all die Manager:innen im Publikum tun sollen, wenn sie morgen früh im Office sitzen und sich eingestehen müssen: «Mein Team und ich laufen gerade am Limit?» Darauf Landert: «Mein konkreter Tipp: Auf die Bremse treten. Das Team bremsen und sich Zeit für eine Situationsanalyse nehmen. Denn es nützt nichts, wenn zwar das kurzfristige Ziel erreicht wird, langfristig aber das Team ausbrennt.» Psychologische Sicherheit entstehe vor allem abseits solcher Krisensituationen: «Wir geben im Business zu wenig von uns preis. Es braucht Nähe und Menschsein. Daraus entsteht eine Sicherheit, bei der man nachher auch offen sagen kann, wenn man überfordert ist.»

Der Mut zum Umkehr-Moment

Wie nah diese Erkenntnis an der Praxis des Extremsports liegt, illustrierte Karl Egloff mit einer Entscheidung am Mount Everest diesen Frühling. Trotz zweijähriger Vorbereitung und obwohl er bereits davor einmal gescheitert war, brach er den Weltrekordversuch ab, weil sein Kletterpartner höhenkrank wurde und zurückblieb. «Ich habe tief eingeatmet und die Worte meines Sohns gehört: ‘Du musst mir nichts mehr beweisen, Papi. Komm einfach wieder heim’», schilderte Egloff den Wendepunkt. Seine Konsequenz für die Führungspraxis: «Am Limit zu leben ist nicht gesund. Wir müssen schauen, dass wir auch abschalten können.»

Dieses Verantwortungsbewusstsein prägt auch seinen geplanten Karriererücktritt in den nächsten ein bis zwei Jahren. «Wenn ich vom ‘Arbeiten’ nach Hause komme, fängt alles wieder bei null an. Da will ich ein guter Vater und Ehemann sein. Da können auch die ganzen Trophäen verrosten.»

Ganzheitliche Gesundheit als Fundament

Livia Altmann, ehemalige Captain der Eishockey-Nationalmannschaft, mit der sie 2014 Olympia-Bronze gewann, und Gründerin des Beratungs- und Coaching-Unternehmens Human Intelligence 2.0 unterstrich diesen Gedanken. Sie erinnerte daran, dass nachhaltige Leistungsfähigkeit ein gesundes Fundament erfordert. Ihr zentrales Credo fasst diese Haltung zusammen: «We are human beings, not human doings!»

Sie warnte davor, den Fokus im Unternehmen allein auf kognitive Leistungen zu verengen. «Das Leisten findet heute oft nur noch im Kopf statt. Wer dem Körper, dem Kreislauf, dem Schlaf und der Erholung keine Sorge trägt, kann nicht nachhaltig performen.» Führungskräften riet sie, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und im Team wieder mehr zuzuhören: «Man hat als Führungskraft oft das Gefühl, man muss immer mit einer Lösung vorangehen. Manchmal hilft es einfach, zuzuhören und zu fragen, wie es den Mitarbeitenden emotional geht.» Zudem empfahl sie eine Schritt-für-Schritt-Methode für den Alltag: «Mach jeden Tag etwas kleines, aber schwieriges Neues. Das hilft, die eigene Komfortzone stetig zu erweitern.»

Präzision und Risikomanagement unter Druck

Wie wichtig Anpassungsfähigkeit und Vertrauen in komplexe Systeme sind, zeigte Aviatik-Pionier Maurizio Folini. Als Helikopterpilot hält er den Weltrekord für die höchste Seilrettung am Mount Everest auf 7'800 Metern über Meer. Unter Extremdruck schalte er auf eine klare mentale Haltung um: «Wenn ich einen Helikopter steuere, dann funktioniere ich wie eine Maschine – gleichzeitig kann ich in unvorhersehbaren Situationen aufgrund meiner Erfahrungen flexibel Prozesse und Checklisten anpassen.»

Für den Unternehmensalltag plädierte Folini dafür, starr verankerte Prozesse bei Unvorhergesehenem flexibel anzupassen und die Expertise jedes Einzelnen einzubringen: «Als Business oder Team ist es wichtig, dass man bei jeder Person etwas anerkennt. Jede Person hat ihre eigene Idee, und das anzuerkennen, ist für den Teamerfolg entscheidend.» Selbst im Extrembereich brauche es stetige Handlungsalternativen: «In Nepal haben wir nicht nur einen Plan A und B, sondern auch noch einen Plan C oder D. Wir haben verschiedene Varianten, die wir ausprobieren müssen, wenn wir Erfolg haben wollen.»

Wertvolle Impulse und reger Austausch

Die lebhafte Diskussion, die zahlreichen Fragen aus dem Publikum und die vielgenannte Kurzweiligkeit des Abends unterstrichen den echten Mehrwert für den Führungsalltag. Beim anschliessenden Apéro Riche nutzten die über 130 Gäste die Gelegenheit zu intensiven und langen Gesprächen. Auch die Referentinnen und Referenten mischten sich unter die Teilnehmenden und führten den inspirierenden Austausch bis spät in den Abend fort.

Alle Informationen zu den beiden noch bevorstehenden Businessevents der ZRH Community in diesem Jahr: Events

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