13. März 2026
Die Schrägfassadenreiniger: schwindelfrei im Einsatz
Ein kalter, klarer Morgen im Circle. Die Sonne bricht über den Gebäudekanten hervor und spiegelt sich in den unzähligen Glasflächen des Business Hubs. Von den Gassen am Boden kaum wahrnehmbar, beginnt hoch oben eine leise Bewegung: Der Fassadenreinigungslift gleitet über die Dachkante hinaus, über die imposante Schrägfassade des Circle. «Es hat etwas Magisches, mit dem ‘Korb’ über die Gebäudekante zu gleiten», sagt Fassadenreinigungsspezialist Fabian Herzog und lächelt, während er gekonnt die Steuerung bedient und den Reinigungslift parallel zur Glasfassade zum Stehen bringt.
Höchste Präzision für eine architektonische Meisterleistung
Gemeinsam mit seinem Kollegen Ortega Euristides ist er einer von sechs speziell ausgebildeten Fachpersonen, die im Auftrag der Flughafen Zürich AG die rund 23'000 Quadratmeter grosse Ringfassade des Circle reinigen. 2’370 einzelne Glaselemente, 38 Meter Höhe, 13,5 Meter Ausladung, 570 Meter Lauflänge am Boden – eine architektonische Meisterleistung, die auch bei der Reinigung höchste Präzision erfordert.
«Am Flughafen Zürich reinigen wir mit rund 250 Mitarbeitenden fast alles selbst», erklärt derweil Stojan Cvijetinovic, Leiter Spezialreinigung bei der Flughafen Zürich AG: «Nur für wenige Spezialaufgaben wie die Schrägfassade im Circle greifen wir auf externe Partner wie die Pronto AG zurück.»
Technik, Teamarbeit und Timing
Der Arbeitsbeginn ist minutiös geplant. Nachdem der Lift fixiert und die beiden eigens für die Circle-Schrägfassade entwickelten Gleiter angebracht sind – sie halten den Abstand zur Fassade trotz der Schräglage konstant –, beginnt der Abstieg. Langsam gleiten wir die gläserne Fassade hinunter. Fabian und Ortega reinigen derweil eine Scheibe nach der anderen.
Während dem kontinuierlichen Abstieg schweift der Blick über das gesamte Flughafenareal, über Terminals, Rollbahnen und Flugzeuge. Am Anfang wirken Menschen und Fahrzeuge noch wie Spielzeug, bevor wir ihnen immer näherkommen, bis wir direkt über ihnen schweben. Während ich vom Ausblick fasziniert bin, gesteht Fabian: «Die Umgebung nehme ich nach fünf Jahren kaum noch wahr.»
Sicherheit und Vorsicht trotz Routine
Sicherheit hat oberste Priorität. «Deshalb sind wir auch im ohnehin schon sicheren Lift zusätzlich mit einem Klettergurt gesichert und tragen einen Helm», erklärt Herzog: «Zudem darf absolut nichts herunterfallen – kein Werkzeug, kein Tropfen Reinigungsflüssigkeit. Denn direkt unter der Fassade verlaufen Strasse und Gehweg.»
Einmal jährlich wird die Glasfassade vollständig gereinigt. Eine Zweier-Equipe braucht für eine Reinigungsbahn, also für die 38 Meter von der Dachkante bis zum Boden, etwa 45 Minuten. Fabian und Ortega schaffen auf diese Weise fünf bis sieben Bahnen pro Tag, Tag für Tag, bis die ganze Fassade wieder in der Herbstsonne glänzt.
Arbeit in schwindelerregender Höhe
Die Arbeit ist körperlich fordernd. Wegen der Schräglage der Fassade müssen sich die beiden Männer bei jeder Bewegung leicht nach hinten lehnen. Während der Lift in der Sonne schimmert, meint Fabian Herzog trotzdem zufrieden: «Ich liebe diesen Job, auch wenn er sehr anstrengend ist.» Gerade deshalb bleibe übrigens auch keine Zeit, um einen Blick durch die Fenster in die Büros zu werfen.
Auf den Dächern des Circle warten derweil fünf weitere Fassadenreinigungs- und Wartungslifte, einer auf jedem der sechs Circle-Gebäude. Auf breiten Schienen stehen sie ähnlich einer Eisenbahn zwischen hunderten Photovoltaik-Panels bereit für ihren nächsten Einsatz. Davon sieht man von unten betrachtet gar nichts. Nur wenn Fabian und Ortega oder ein anderes Fassadenreinigungsteam gerade im Einsatz steht, wird die schimmernde Arbeitsplattform ganz weit oben klein erkennbar. Dabei ahnt man wohl kaum, wie viel Erfahrung und Ausdauer für diese Arbeit notwendig sind. Für die Reinigungsspezialisten ist es ein Arbeitsplatz beinahe «über den Wolken» – anspruchsvoll und einzigartig. Und, trotz der Höhe, ein Ort, an dem sie sich «jederzeit komplett sicher fühlen», wie sie selbst sagen.